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Wenn die Reben grün (aus)treiben im Chianti Classico

Langsam aber sicher steigen die Temperaturen im Chianti Classico – alles blüht, alles wächst und alles gedeiht. Der Mohn steht knallrot in voller Blüte, die Ginsterbüsche stechen mit ihrem kräftigen Gelb ins Auge und auch zwischen den Weinreben geht jetzt die Saat auf, die im Herbst ausgesät wurde, um den Boden im neuen Weinjahr zu revitalisieren. Und natürlich wachsen auch die Weinreben selbst – wenn es warm und feucht ist bis zu 20 cm pro Tag! Im Moment ist es hier im Chianti Classico zwar eher regnerisch und etwas kühler als um diese Jahreszeit üblich – allerdings ist das Wachstum in vollem Gange und die Weinberge leuchten in zahllosen Grüntönen,  für die es in der Farbpalette keine Namen gibt.

Wo Wein wächst, muss gearbeitet werden…

Man könnte meinen, ein Winzer hat erst im Herbst bei der Ernte wieder viel zu tun: Die Reben wachsen ja schließlich von alleine. Aber das ist ein riesengroßer Irrtum! Denn Wachstum im Weinberg bedeutet jede Menge Arbeit für die Winzer: Einerseits geht es zu diesem Zeitpunkt des Vegetationsjahres darum, die Triebe kontrolliert in das Erziehungssystem zu bringen. Sprich, die Reben auf den richtigen Weg zwischen die Rankhilfen zu führen. Außerdem werden kräfteraubende Seitentriebe und auch Knospen gekappt, damit die nach oben strebenden Reben genug Kraft und Saft bekommen. Es gibt also für die Winzer im Weinberg jede Menge zu tun und ganz schön wenig Zeit, um diese vielen Arbeiten zu erledigen. Denn das Zeitfenster für viele Tätigkeiten ist relativ klein – mitunter nur wenige Tage. Dazu kommt, dass diese Arbeit ausschließlich Handarbeit ist. Wer dieser Tage also im Chianti Classico durch die Weinberge fährt, wird viele emsige Arbeiter zwischen den grünen Reihen sehen.

 

Die 100-Tage-Faustregel

In ungefähr einer Woche steht dann die Blüte an. Es ist eine besonders heikle Phase für die Winzer – und natürlich für die Reben – wenn sich die kleinen, weißen Blüten ans Sonnenlicht wagen. Denn wenn zum Beispiel zu viel Regen oder zu starke Winde auf die kleinen, empfindlichen Blütenbündel treffen, können sich die Blüten nicht selbst bestäuben und das Ergebnis sind lediglich „Blindgänger“ anstatt saftiger Trauben. Und das ist klarerweise schlecht für die Ernte. Großes Augenmerk legen die Winzer jetzt auch auf den Schutz der empfindlichen Jungpflanzen: Gearbeitet wird im nachhaltigen Weinbau mit biologischen und biodynamischen Methoden. Und noch ein Nina-Insider: Der Zeitpunkt der Blüte erlaubt auch einen Ausblick in die Zukunft: Denn eine Faustregel besagt: 100 Tage nach der Blüte steht die Ernte an. Wir dürfen also auf die nächsten Tage und Wochen gespannt sein!