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Alles eine Frage der Erziehung…

Ein wachsames Auge auf die Erziehung des Nachwuchses zu haben, ist nicht nur bei Kindern unerlässlich. Auch im Weinbau spricht man bei den Reben von Erziehung und von verschiedenen Erziehungsformen. Und wie bei den Kindern gilt auch beim Wein: Es gibt nicht nur eine Form der Erziehung, sondern je nach Rebsorte, nach äußeren Umständen und je nachdem, welches Ergebnis gewünscht wird verschiedene Herangehensweisen.

Aber fangen wir doch von vorne an: Warum ich ausgerechnet jetzt auf das Thema des Rebschnitts zu sprechen komme? Ganz einfach, weil Mitte Februar im Chianti der Rebschnitt voll im Gange ist. Während ich hier gemütlich im winterlich ruhigen Café „La Curva“ an der Piazza von Panzano in Chianti mit Cappuccino und Cornetto sitze, wird in den Weinbergen im Conca d´Oro bereits emsig gearbeitet. Aber was genau passiert eigentlich beim Rebschnitt? Welche Form der Erziehung wird für welche Rebe gewählt?

Blick auf die Tenuta Fontodi in Panzano in Chianti im Februar

Beim Rebschnitt sind Wissen und Erfahrung gefragt
Mit dem Rebschnitt beginnt das Arbeitsjahr im Weinberg. In erster Linie nimmt der Winzer mit der Art des Rebschnitts Einfluss auf den Ertrag – also auf die produzierte Menge an Trauben. Noch während der winterlichen Vegetationspause werden die alten Triebe der Rebstöcke zurückgeschnitten. Das sorgt für ein Gleichgewicht zwischen Wachskraft und Ertragsleistung. Mit dem Rebschnitt eng verbunden ist letztendlich auch die Qualität der Trauben. Mit wenigen Schnitten, immer von Hand, die allerdings viel Erfahrung und Wissen erfordern, werden die Rebstöcke in die gewünschte Erziehungsform gebracht. Im Chianti Classico wird in den Weinbergen heute vorwiegend mit zwei Erziehungssystemen gearbeitet: Guyot und Kordon.

Beim Guyot (Bogenschnitt) wird möglichst nahe am Stamm meist ein Fruchtbogen mit je einem Ersatzzapfen angeschnitten. Dieser Schnitt bringt eine gute Verteilung der Augen, also der Knospen. In einem weiteren Arbeitsschritt werden die Fruchtbögen nach unten gebunden.

Beim Kordonschnitt werden auf einer waagrechten Verlängerung des Stammes kurze Zapfen und Strecker geschnitten. Dieser Schnitt erfordert etwas mehr Erhaltungsaufwand (Stockaufbau und ständige Verjüngung). Die Speicherung von Reservestoffen ist im Kordon größer als beim Bogenschnitt.

Ein Beispiel für Kordon-Schnitt auf Le Fonti in Panzano in Chianti

Noch ist also im Moment zwischen den Rebstöcken ohne Zweifel mehr los als auf der Piazza und im Café. Aber mit den ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen werden auch bald wieder die Touristen in die Toskana zurückkehren – und auch die Reben werden wieder wachsen und gedeihen. In diesem Sinne: Auf ein gutes Weinjahr!