Il Palagio im Herzen und Sangiovese im Blut

Il Palagio im Herzen und Sangiovese im Blut

Nina in Chianti im Gespräch mit Monia Piccini von der Azienda Agricola Il Palagio di Panzano

Auf der Azienda Agricola Il Palagio in Panzano in Chianti keltert Monia Piccini gemeinsam mit ihrem Mann Franco in einer der Top-Lagen des muschelförmigen Conca d’Oro ausgezeichnete Rotweine und seit Kurzem auch den Rosato Aldemara und stellt Olio di Oilva extra Vergine her. Dabei ist Monia eine waschechte Panzanese – sprich, sie ist hier geboren und aufgewachsen und lebt und arbeitet mit ihrem Mann, ihren beiden Töchtern und dem Hund Bruno auf einem der wohl schönsten Flecken dieser Erde. Wie ihr ja wisst, ist es mir wichtig, „meine“ Winzerinnen und Winzer persönlich zu kennen. Übrigens: Wer Monia persönlich kennenlernen und ihre Weine probieren möchte, sollte bei „Vino al Vino“  in Panzano in Chianti, das heuer von 13. – 16. September 2018 auf der Piazza über die Bühne geht, vorbeischauen.

Wer keine Gelegenheit hat bei „Vino al Vino“ dabei zu sein, kann Monia hier ein bisschen besser kennenlernen. Denn ich habe mit ihr ein Gespräch über den Wein, über das Leben und über viele, viele andere Dinge geführt. Auszüge aus unserem (sehr unterhaltsamen) Gespräch findet ihr hier:

Nina in Chianti: Monia, wenn du an Wein denkst – also an Chianti Classico, an die Riserva, an eine Gran Selezione, an einen IGT oder an einen Supertuscan – welcher dieser Weine entspricht am ehesten deinem Charakter?

Monia Piccini: (antwortet wie aus der Pistole geschossen…) Chianti Classico – keine Frage!

Nina in Chianti: Sicher nicht die Riserva? Du bist so eine starke Frau!

Monia Piccini: (lacht) Jaja, das bin ich. Aber ich glaube, dass der Chianti Classico derjenige unter unseren Weinen ist, der sich einerseits am meisten von den anderen Weinen unterscheidet und dabei gleichzeitig die Basis für alles andere bildet. Sprich: Nur wenn der Chianti Classico einen guten Charakter hat, können auch die Riserva und die Gran Selezione größer und vielschichtiger werden. Und wenn ich an mich selbst denke, denke ich an Il Palagio und das Land, auf dem wir Wein anbauen, und daran, dass der Chianti Classico die Wurzel, der Ursprung von allem hier auf Il Palagio war. Chianti Classico hat es schon immer gegeben.

 

Nina und Monia

Nina in Chianti: Ich verstehe. Aber das führt mich auch gleich zu meiner nächsten Frage: Was macht für dich einen Wein zu einem wirklich guten Wein? Welche Sache, welches gewisse Etwas muss ein Wein für dich auf jeden Fall haben? 

Monia Piccini: Also, wie du ja weißt, bin ich keine ausgebildete Önologin oder Agronomin… Aber ich habe durch meine langjährigen, persönlichen Erfahrungen herausgefunden, was ich mag und was ich nicht mag.

 

Monia Piccini: Und dann muss ein Wein für mich Charakter haben – das heißt für mich die Charakteristik des Bodens, die Charakteristik der Landschaft, aus der der Wein kommt, die Charakteristik der Traube – das alles muss man im Wein schmecken können. Natürlich denke ich da bei Chianti Classico sofort an die Sangiovese, die zwar stark und gleichzeitig schwierig ist, aber dafür umso mehr geschmackliche Schönheit preisgibt, wenn man sie richtig zu behandeln weiß.

 

Monia Piccini vom Weingut Il Palagio di Panzano und Nina in Chianti im Gespräch über Wein, Essen und das Leben

Nina in Chianti: Monia, im Jahr 2009 hast du die Bewirtschaftung von Il Palagio auf biologischen Anbau umgestellt. Im Jahr 2013 folgte schließlich die offizielle biologische Zertifizierung. Warum ist das für dich so wichtig? 

Monia Piccini: Puh, wie du weißt, Nina, ist diese Umstellung in meiner Familie nicht ganz ohne Diskussionen über die Bühne gegangen… Franco und ich sind jetzt die dritte Generation, die Il Palagio als Weingut führt. Und wir hatten beide von Anfang an die Vision, das Land nachhaltig zu bewirtschaften. Obwohl ich natürlich anfangs Bedenken hatte, den richtigen Weg gewählt zu haben. Aber im Endeffekt hoffe ich, durch einen nachhaltigen Umgang mit unserem Land einen Beitrag dazu leisten zu können, den Menschen und den Pflanzen zu einem längeren Leben verhelfen zu können. Und zwar mit gesünderen Produkten, von gesünderen Pflanzen. Das gilt natürlich für unsere Weine, aber auch für unser Olivenöl genauso wie für unseren Gemüsegarten, aus dem wir für unsere Gäste ernten.

 

Nina in Chianti: Monia, was ist für dich das Besondere an Il Palagio – das Besondere am Ort selbst?

Monia Piccini: Weißt du: Ich konnte nicht das Wort „Mama“ als erstes sagen, sondern „Palagio“! Il Palagio ist für mich einfach ein Teil der Familie – sowohl Francos als auch meiner Familie. Il Palagio ist mein Leben, war es schon immer und wird es auch immer sein. Denn Il Palagio ist auch die Zukunft unserer Kinder.

 

Nina in Chianti: Einmal angenommen, du hättest Il Palagio nicht, welches Weingut oder welche Weinregion würde dir gefallen? Wo würdest du gerne ein Weingut haben?

Monia Piccini: Ganz klar: Trentino. Denn wenn ich an diese Gegend denke, sehe ich eine Region vor mir, die Wurzeln und Charakter hat. Eine Region, in der man sensibel mit der Umwelt umgeht. Und du weißt – ich liebe Sparkling Wine! 

Monia Piccini vom Weingut Il Palagio di Panzano

Nina in Chianti: Noch eine Frage zum Wein: Welche ist deine Lieblings-Weinrebe? Abgesehen von der Sangiovese, natürlich… 

Monia Piccini: Riesling! Aber ich mag auch Teroldego – eine interessante rote autochthone Traube, die ich in den letzten beiden Jahren öfter mal probiert habe. 

Nina in Chianti: Lustig, weil Riesling – wie die Sangiovese – auch eine Rebsorte ist, die viel Aufmerksamkeit und Zuwendung braucht. Aber, liebe Monia, jetzt habe ich noch eine Frage an dich: Hattest du eigentlich einen anderen Beruf, bevor du Winzerin geworden bist? 

Monia Piccini: Bevor ich hier das Anwesen von meinem Vater übernommen habe, habe ich Weinreisen durch die Toskana an ausländische Reiseveranstalter vermittelt. Ich war damals noch sehr jung, habe noch studiert, hatte aber die Gelegenheit, viel zu lernen und Erfahrungen zu sammeln.

 

Monia Piccini: Und ich habe auch dreieinhalb Jahre als Hochzeitsplanerin gearbeitet. Dabei bin ich immer zwischen London und Florenz hin und her gependelt… eine aufregende Zeit. Aber ich würde das nie wieder machen! 

Nina in Chianti: Ok, ein arbeitstechnisches No-Go also… Aber was ist für dich ein absolutes No-Go im Weinkeller, bei der Arbeit? 

Monia Piccini: Ich hasse Bürokratie! Aber ich muss damit zurechtkommen – ob ich will oder nicht. 

Nina in Chianti: Jetzt habe ich für dich noch vier kleine Fragen zum Abschluss. Nummer eins: Was ist dein Lieblingsgericht? 

Monia Piccini: Pasta und Fleisch – in allen Variationen.

Nina in Chianti: Und was trinkst du dazu am liebsten? 

Monia Piccini: Das hängt ganz davon ab, wie Pasta und Fleisch zubereitet sind… aber ich würde sagen, dass ich Chianti Classico liebe – natürlich – oder ein Glas Le Bambole zum Fleisch. Wenn draußen Winter ist, ich mich vor dem offenen Kamin entspannen kann – dann ein Glas Le Bambole und die Welt ist in Ordnung! 

Nina in Chianti: Von welchem Reiseziel träumst du?

Monia Piccini: Definitiv Nordeuropa und Alaska! Ich bin eigentlich kein Typ für den Süden (lacht).

Nina in Chianti: Letzte Frage, Monia: Wie lautet dein Lebensmotto? 

Monia Piccini: „Do it“ – das sage ich auch meinen Kindern immer! 

Nina in Chianti: Monia, grazie!

Monia Piccini: Prego!

 

 

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