Aromen im Glas 2.0: Chianti Classico Gran Selezione

Aromen im Glas 2.0: Chianti Classico Gran Selezione

Es ist jetzt ja nun schon wieder ein Weilchen her, seit ich in Sachen „Aromen im Glas 2.0“ was von mir habe hören lassen. Bisher hatte ich euch ja den Rosato, den Chianti Classico und die Chianti Classico Riserva mit den dazugehörigen wunder-wunderschönen Fotos von Fotografin Eva-Maria Mrazek vorgestellt. Wie jedes Mal hoffe ich, euch auch dieses Mal mit diesem „geschmackvollen“ Foto und meinen Erklärungen ein Gefühl für die Aromen der Gran Selezione oder vielleicht sogar einen kleinen Vorgeschmack auf diesen speziellen Wein mit auf den Weg geben zu können. In diesem Sinne: Salute!

Der Kräftige mit den dunklen Aromen

Betrachtet man die verschiedenen Aromen im Glas-Fotos nebeneinander, so wird auf den ersten Blick deutlich, dass das Gran Selezione-Glas das dunkelste in der Serie ist. Allerdings lässt diese Tatsache nicht unbedingt einen Rückschluss auf die Farbe des Weines zu. Vielmehr schmeckt und duftet eine Gran Selezione typischerweise nach den dunklen Früchten, die sich hier eben hier im Glas tummeln. Und: Es handelt sich bei einer Gran Selezione auch um den komplexesten, vielfältigsten und vielschichtigsten aller Weine, die ich bisher vorgestellt habe.

Reife, dunkle Früchte in einem Bett aus aromatischen Gewürzen

Wie bei der autochthonen Rebsorte Sangiovese üblich, stehen auch bei der Gran Selezione, die oftmals aus 100 Prozent Sangiovese gekeltert wird, die Kirschen im Mittelpunkt des Aromen-Bouquets. Ganz typisch auch für die Sangiovese: Es mischen auch noch Zwetschken, Weichseln, schwarze Johannisbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren ganz kräftig mit. Der Unterschied zum Chianti Classico oder zu einer Chianti Classico Riserva liegt schlicht und ergreifend in der zunehmenden Reife, in der sich die Fruchtaromen präsentieren. Sind sie beim Chianti Classico noch ein zarter Hauch, so fegt durch die Gran Selezione ein satter Fruchtorkan. Eingebettet ist das Ganze in viele Würzaromen wie Wacholder und Pfeffer, aber auch Anis, Zimt und ein Hauch von Vanille tänzeln in diesen komplexen und vollmundigen Weinen durch Mund, Gaumen und Nase.

30 Monate im Barrique bringen Holz in die Flasche

Diese dunkleren Aromen sind aber nicht zuletzt auch auf die Art des Ausbaus zurückzuführen: Denn der Reifeprozess erfolgt in meist kräftigen Barriques – optischer Hinweis darauf im Glas: Ein Stück Holz. Aber auch das Leder, die Lakritze und die Schokolade symbolisieren die lange Verweildauer im Fass. Mindestens 30 Monate – also sage und schreibe zweieinhalb Jahre – reift eine Gran Selezione in Barrique und Flasche. Das Ergebnis ist ein Wein, der eher kräftiger ist und in der Regel einen vollen Körper aufweist. Dazu kommt noch, dass die Granz Selezione aus den besten Sangiovese-Trauben aus den besten Lagen eines Weinguts und eines Jahrgangs gekeltert wird. So entstehen Weine mit ausgeprägter Struktur, kräftigen Tanninen und mit einem starken Bezug zum Terroir. Symbolisch dafür finden sich – eher im hinteren Bereich des Glases – ein weißes Stückchen Mineralstein sowie ein Splitter Graphit. Das kleine Blättchen Minze mittendrin bringt zum Ausdruck, dass es der kräftigen Gran Selezione aber keineswegs an Frische mangelt – eine Gran Selezione ist kein „Wein zum Kauen“, mit dem man den Mund voll hat und dann kein Abendessen mehr braucht, sondern immer noch ein idealer Begleiter für die verschiedensten Speisen.

Fazit: Ein harmonisches Nebeneinander der Aromen

Alles in allem bringt das Foto wunderschön zum Ausdruck, dass sämtliche Aromen untereinander in sich gebettet sind. Dass sie harmonisch ineinandergreifen. Dass nichts zu viel und nichts zu wenig ist. Dass der Wein zwar komplex und dicht ist, aber alle Aromen gleichberechtigt auf Nase und Gaumen treffen.

Alter Wein – ganz jung: Die Gran Selezione gibt es erst seit 2013!

Kleines, aber nicht unbedeutendes Detail am Rande: Die Qualitätsstufe „Gran Selezione“ wurde erst im Jahr 2013 eingeführt. Im Jänner des Jahres 2013 traf die Mitgliedervertretung des „Consorzio Vino Chianti Classico“ die Entscheidung, zu den zwei bereits bestehenden Klassifizierungen – Chianti Classico und Chianti Classico Riserva – eine dritte, neue hinzuzufügen: die Chianti Classico Gran Selezione. Diese drei Qualitätsstufen sollten sich in mehreren Punkten unterscheiden – vor allem aber hinsichtlich ihrer Reifedauer und den daraus resultierenden Geschmacksnuancen sowie in punkto Alkoholgehalt.

 

 

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