Aromen im Glas 2.0: Die Chianti Classico Riserva

Aromen im Glas 2.0: Die Chianti Classico Riserva

In den letzten Wochen habe ich hier in meinem Blog bereits zwei Wein-Typen aus der neuen Foto-Serie „Aromen im Glas 2.0“ vorgestellt – Chianti Classico und Rosato. Heute gibt die Chianti Classico Riserva ein kräftiges Lebenszeichen von sich und offenbart uns ihre ganze Aromenvielfalt. Sprich im Weinglas ist genau das in natura zu sehen, wonach der Wein riecht und schmeckt. Diese zweite Auflage der „Aromen im Glas“-Serie, die ich gemeinsam mit der Fotografin Eva-Maria Mrazek realisiert habe, verführt das Auge mit noch geschmackvolleren Arrangements, noch satteren Farben noch feineren Geschmacksnuancen.

 

Chianti Classico Riserva DOCG – Der kräftige Rote mit den sanften Zwischentönen

Die Riserva ist ein Wein-Typ, der sich dadurch auszeichnet, dass er eher kräftiger ist und einen vollen Körper mit ausgeprägter Struktur, kräftigen Tanninen und prägnanter Säure aufweist. Das kommt nicht zuletzt davon, dass der Reifeprozess, der laut Regularien mindestens 24 Monate dauern muss – mindestens drei davon in der Flasche –, hauptsächlich in großen Holzfässern oder Barriques erfolgt. Und klarerweise wird eine Riserva nur aus den besten Sangiovese-Trauben eines Weinguts und eines Jahrgangs gekeltert –immer zu mindestens 80 % aus Sangiovese. So entstehen Weine mit einem starken Bezug zum Terroir, die sich perfekt für eine lange Lagerung eignen. 

Komm auf die dunkle Seite des Weins…

Schon der erste Blick auf den Inhalt des Riserva-Glases macht eines klar: Hier haben wir es mit einer dichteren, festeren Struktur und mit dunkleren Farben zu tun. Zeigen doch auch die Weine selbst eine stärkere Struktur und sattere Farben. Das hat seine Ursachen nicht zuletzt darin, dass eine Riserva eben länger ausgebaut wird, und dass das Traubenmaterial ein kräftigeres ist, als zum Beispiel bei einem Chianti Classico. Je nach Jahrgang ist natürlich die Färbung mal eine Nuance heller oder dunkler.  

Ein Reigen aus vollreifen Früchten gepaart mit einem Hauch von Rauch

Die Basis im Glas bilden – wie so oft beim Wein – Gewürze wie Wacholder und Pfeffer, der sehr typisch für die Sangiovese-Trauben ist. Aber auch ein wenig Kaffee und ein paar Blättchen Tabak schwingen an der Basis mit. Über alledem schwebt im Glas ein Hauch von Rauch. Ein Hinweis darauf, dass die Riserva oft in Barrique-Fässern ausgebaut wird, die überdies ein kräftiges Toasting aufweisen. Toasting, das ist ein Vorgang, bei dem der Hersteller die Fässer innen „ausbrennt“. Als Winzer bestimmt man, wie stark dieses Toasting ausfallen soll. Üblicherweise werden für die Riserva gerne Fässer verwendet, die etwas mehr Toasting aufweisen und so zum Beispiel neben den Raucharomen auch das kräftige Kaffee-Aroma in den Wein bringen. Bei einer Riserva ein Zeichen dafür, dass es sich um einen strukturierten, schönen, festen Wein mit kräftigen Tanninen handelt.

Im Keller von Le Cinciole in Panzano in Chianti reift der Chianti Classico Riserva „Aluigi“

Achtung: Aromenexplosion!

Wandert der Blick im Glas weiter hinauf, explodieren förmlich die dunklen Fruchtaromen. Man kann das für die Riserva so typische, volle Aroma schon förmlich fühlen: Wir haben es hier mit vollvollreifen Früchten zu tun – mit Kirschen, Brombeeren, Heidelbeeren und schwarzen Ribiseln, die wiederum ein Indiz für die angenehme Säure sind. Im Fruchtreigen natürlich nicht zu vergessen, die beiden dominanten Riserva-Aromen: die dunkel-reifen Kirschen und die saftige Zwetschke. Ein bisschen im Hintergrund präsentiert sich das weiche, warme Feigenaroma, das den Gaumen umschmeichelt. On top, aber ohne dabei dominant zu sein, finden sich noch die Würzaromen Zimt und Vanille, deren Ursprung übrigens auch im Holz liegt. Stellvertretend dafür im Glas: Das kleine Holzstück, eingebettet zwischen den Früchten. Und manchmal bringen Cabernet Sauvignon oder Merlot, also die Rebsorten, die gerne der Riserva beigemischt werden, noch „zartgrüne“ Aromen mit ins Glas – symbolisiert durch das kleine, grüne Blättchen zwischen braunem Holz und dunklen Beeren. Ganz am Rand liegt noch ein kleines Stückchen Graphit als Zeichen für mineralische Böden und biologisch erzeugte Weine im Glas.

Die Riserva – eine reife Persönlichkeit im Glas

Ich persönlich finde, dass dieses Foto über das reine Abbilden der Aromen hinaus zeigt, dass diese auch gut und kompakt im Glas „sitzen“. Dass es sich bei einer Riserva um einen Wein-Typ handelt, der stark und selbstbewusst seinen Platz im Glas behauptet. Der nicht wie die leichteren Weine übermütig über das Glas hinauswogt. Einfach ein Wein, der weiß, was er will und neben einem guten Körper auch noch einen guten Charakter mitbringt. Trotz allem deutet das Foto auch an, dass sich die Riserva gaaaanz langsam vom Glasboden erhebt und ganz behutsam die Aromen zum Rand des Glases – und damit in unsere Nase, an unseren Gaumen und manchmal sogar in unser Herz – trägt.… Apropos Herzensangelegenheit: Wer es nicht übers Herz bringt, eine Riserva einzulagern, sondern sie sofort trinkt, wird es nicht bereuen. Aber: Wer es schafft, der wird nach einigen Jahren Wartezeit mit einem noch größeren Trinkvergnügen belohnt werden.

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